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Keine Panik über den Wolken 

Psychologin Linda Föhrer gibt Seminare und Tipps gegen Flugangst

Flugangst kann man bewältigen - ein Seminar kann helfen.

Feuchte Hände, pochendes Herz, flache Atmung, unruhiger Magen – der Gedanke an eine Flugreise bereitet vielen Menschen Unwohlsein. Einmal ins Flugzeug eingestiegen, erwischt sie weitere Passagiere: Die Flugangst. 

Dass der nächste Urlaub besser starten kann, zeigt ein Gespräch mit Linda Föhrer. Die Diplom-Psychologin und ehemalige Chef-Stewardess der Lufthansa bietet am Dortmund Airport das Tagesseminar „Entspanntes Fliegen“ an.  

Frau Föhrer, wie entsteht Flugangst? 

Linda Föhrer: Das sind viele Faktoren, die zur Flugangst beitragen können. Zuallererst ist es die Tatsache, dass ich mich nicht auskenne. Was uns Menschen immer Angst macht, ist das Unbekannte. Wieso das mit der Fliegerei überhaupt funktioniert und ein Flugzeug in der Luft bleibt, das wissen wir als Passagiere eigentlich nicht so genau. Dann kommen noch die Medien dazu. Wenn über Flugzeuge berichtet wird, ist es leider meist negativ. Und unser Gehirn, das sehr emotional gesteuert ist, wird direkt über Bilder erreicht. Dadurch entsteht schon mal eine Flugangst. Man muss noch nicht mal ein persönliches Erlebnis gehabt haben. Allein durch die Berichterstattung in Kombination mit dem fehlenden Wissen, ist es ziemlich leicht erklärbar, warum so viele Menschen Flugangst haben oder sich in einem Flugzeug einfach unwohl fühlen.

Wie äußert sich Flugangst?

Linda Föhrer: Das Gehirn geht in einen erhöhten Erregungszustand und schüttet vermehrt die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol aus. Je mehr Stresshormone ausgeschüttet werden, desto mehr gehe ich in einen Erregungszustand und der kann in eine Angst übergehen. Der Parasympathikus, der beruhigende Teil unseres Nervensystems, kriegt erst mal einen Energieabzug, das heißt dass zum Beispiel das Magen- und Darmsystem betroffen ist. Die Organe, die für den Kampf-/Fluchtreflex wichtig sind, kriegen mehr Energie – also kommt es zu erhöhtem Herzschlag und erhöhter Atmung. Die Muskulatur bekommt auch mehr Energie. Da wir uns im Flugzeug aber nicht bewegen können, verspannen wir. 

Wer ist besonders von Flugangst betroffen?

Linda Föhrer: Angst ist ja menschlich, die kann jeden treffen. Ich glaube nicht, dass es einen geschlechterspezifischen oder altersmäßigen Unterschied gibt. Es sind aber mehr Frauen in meinen Seminaren – obwohl die Anzahl der Männer steigt. Zuletzt hatte ich viele 16-Jährige, die von besorgten Eltern ins Seminar geschickt wurden. Wahrscheinlich vor dem Hintergrund, dass sich Ängste ja auch noch ausbauen können und die Kinder früh viel reisen. 

Wie bereiten sich Passagiere mit Flugangst am besten auf den nächsten Flug vor?

Linda Föhrer: Einen Tag vor Abflug sollte man schon mal einen ruhigen Tag haben. Sich nicht zu viele Dinge vornehmen oder gar die Nacht durchmachen. Lieber einen ruhigen Tag begehen, bei dem der Parasympathikus, der beruhigende Teil unseres Nervensystems, stimuliert wird. Also vielleicht in die Sauna, Schwimmen, Massage, oder auch eine Bewegungsart wie Joggen oder Fahrradfahren, das baut Stresshormone ab. Körperliche Bewegung einerseits und etwas Beruhigendes andererseits. 

Gibt es Hilfsmittel, Bücher, CDs oder Apps, die Sie bei Flugangst empfehlen?

Linda Föhrer: Vor und auch während des Fluges helfen Entspannungs-CDs. Ich empfehle nie etwas Konkretes, weil das immer von der Stimme des Sprechers abhängt. Ich halte Jon Kabat-Zinn, den Entwickler des Achtsamkeitstrainings, für sehr gut. Während des Fluges bieten sich Apps mit Übungen zur progressiven Muskelrelaxation an. Solche Übungen ziehen meine Aufmerksamkeit auch mal von der Flugangst weg. Ich bin beschäftigt und tue etwas für meine körperliche Entspannung. 

Von Medikamenten und Alkohol rate ich ab. Damit bleibt die Flugangst erhalten oder verschlimmert sich noch. Das Gehirn kann ja gar nichts Neues lernen. Sollte jemand meinen, er müsse unbedingt Beruhigungstabletten nehmen, sollte er sie in jedem Fall vorher zuhause ausprobieren. Einige Mittel können paradox wirken, d. h. die gegenteilige Wirkung haben. 

Meine Empfehlung ist, einen Tag vorher schon sehr viel Wasser zu trinken. Wasser entstresst. Und auch während des Fluges sollte man viel Wasser trinken. Was viele nicht wissen: Die Luftfeuchtigkeit im Flugzeug liegt unter 5%. Das ist bei einem Flug von einer Stunde nicht so schlimm, aber je länger man fliegt, desto unangenehmer wird es. Genauso wichtig ist regelmäßige Bewegung. Aufstehen und irgendwo hingehen ist gut. So kommt man mal aus seiner Situation heraus. 

Was erwartet die Teilnehmer Ihres Seminars „Entspanntes Fliegen“? 

Linda Föhrer: Sehr viel Aufklärung über den technischen Teil der Fliegerei, über das „Unbekannte“. Wir versuchen das Ungewisse und die Bilder im Kopf – die beiden Faktoren, die oft Flugangst auslösen – durch Informationen zu korrigieren. Und diese Informationen werden dann noch einmal mit psychologischen Methoden verfestigt. Zudem zeige ich den Teilnehmern mehrere Entspannungstechniken. In einem Seminar sind maximal 10 Teilnehmer, in der Regel aber 6 – 8 Teilnehmer. Ich biete auch Einzel-Coachings an. Wer möchte, kann einen begleiteten Flug dazubuchen.

Termine und Buchung

Die Flugangstseminare finden immer samstags oder sonntags von 10:00 Uhr bis ca. 18:00 Uhr statt und kosten ca. 275 €. Die nächsten Termine am Dortmund Airport sind:

  • 11. Juni 2017
  • 27. August 2017
  • 24. September 2017
  • 22. Oktober 2017
  • 26. November 2017
  • 17. Dezember 2017.
Buchungsmöglichkeiten und weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der Agentur Föhrer www.entspanntes-fliegen.de.