Ewiger Frühling und Natur pur: Wer bekommt da nicht Lust, die Koffer zu packen und in das nächste Flugzeug zu steigen? Das Ziel heißt La Palma. Die schöne Insel liegt wie ein Herz am westlichen Rand des Kanarischen Archipels. Mit einer Größe von ungefähr 700 km2 – das entspricht etwa der Größe Hamburgs – ist sie ein Minikontinent, was Klima und Vegetation angeht. In den niedrigen Küstenzonen herrscht subtropisches Klima. Hier wachsen Bananen, Mangos, Ananas und Papayas. Ab ungefähr 400 Meter Höhe gedeihen Palmen, Wein, Aprikosen, Pfirsiche, Kartoffeln und Getreidearten. Und schließlich ab 1200 Meter folgen Lorbeer- und Maronenbäume sowie die Kanarische Pinie.
La Palma ist vulkanischen Ursprungs. Vor etwa 20 Millionen Jahren ist die Insel mit einer gewaltigen Eruption aus dem Ozean entsprungen. Der Vulkanismus hat Geografie, Flora und Fauna sowie das Leben der Menschen bestimmt. Heute schlummern die Vulkane – der letzte Ausbruch auf La Palma war 1971, als der „Teneguía“ Feuer und Asche spie.
La Palma ist eine Insel für Aktivurlauber. In den letzten Jahren haben sich vor allem Wanderer in die Berglandschaft der „Caldera“ verliebt. Aber auch Mountainbiker, Paraglider und Taucher kommen auf ihre Kosten: Der Minikontinent bietet jeden Tag ein neues Erlebnis.
Santa Cruz und Los Llanos
Die verschlafene Hauptstadt Santa Cruz ist einen Ausflug wert. Der eine oder andere Platz mit seinen verzierten Fassaden erinnert an die Zeit, als der Handel mit Amerika blühte und Segelschiffe aus aller Welt im Hafen anlegten. Santa Cruz schlägt die Brücke zur Vergangenheit, das moderne Los Llanos die zur Zukunft. „Heimliche Hauptstadt“ wird sie genannt: eine aufstrebende Stadt, die mehr Einwohner als Santa Cruz hat, mit neu angelegten Straßen und vielen Geschäften.
Schiffsmuseum in Santa Cruz
An der Plaza Almeda in Santa Cruz zieht schon von weitem ein antik aussehendes Holzschiff auf einer Verkehrsinsel seine Aufmerksamkeit auf sich. In dem in Originalgröße nachgebauten Schiff, wie sie zu Kolumbuszeiten die Weltmeere gekreuzt haben, befindet sich ein Museum rund um Schiffe.
Inselmuseum in Santa Cruz
Das Inselmuseum befindet sich in Santa Cruz an der Plaza de San Francisco. Das ehemalige Franziskanerkloster wurde restauriert und zum größten Museum auf La Palma umgebaut. Es zeigt einen Querschnitt der palmerischen Kultur. Am interessantesten ist die volkskundliche Abteilung mit Kunsthandwerk, Seidenweben, Töpfern, Strohflechten, Zigarrendrehen und vielem mehr.
La Cumbrecita
„Caldera de Taburiente“ ist die größte Sehenswürdigkeit von La Palma. Der 1,5 Kilometer tiefe und neun Kilometer breite Erosionskrater liegt im Herzen der Insel. Nach Vulkanausbrüchen vor 35 Millionen Jahren begann ein Prozess kontinuierlicher Zersetzung: Wind und Wasser gruben sich ins Gestein, schufen die heute sichtbare Kesselform. Von dem Aussichtspunkt „La Cumbrecita“ bietet sich ein grandioser Ausblick in den Kessel der Caldera. An die verwitterten, bis zu 2500 Meter aufragenden Steilwände klammern sich junge Kiefern, nach Regenfällen stürzen silbern glänzende Wasserfälle in den Krater hinab.
Roque de los Muchachos
Einfach traumhaft: Ein Blick von La Palmas höchstem Gipfel (2426 m) über die gesamte Insel bis hinüber zum höchsten Berg Spaniens, dem „Teide“ auf der Nachbarinsel Teneriffa.
Auf der Strecke Garafía-Santa Cruz geht es über eine Passstraße in die Höhe. Nach zwölf Kilometern Fahrt durch einen Kiefernwald gelangt man auf den höchsten Berg La Palmas. Achtung: Auf dem Parkplatz lauern Autodiebe.
Drachenbäume bei Las Tricias
Unterhalb der kleinen Ortschaft Las Tricias kurz vor Garafía liegt das Tal der Drachenbäume. Für die prähistorischen Inselbewohner war der Drachenbaum heilig: In jedem Stamm – so glaubten sie – lebte die Seele eines Verstorbenen. Ritzte man ihn ein, trat „Blut“ heraus: eine rötliche, harzähnliche Flüssigkeit. Der so genannte „Drago“ ist ein überlebendes Relikt aus der Zeit der Dinosaurier und gehört zu den Liliengewächsen.
Mirador
Damit wird ein Ort mit besonderer Aussicht beschrieben. In der Regel sind die „Miradores“ ausgeschildert, ausgebaut und mit Parkplätzen versehen. Das sind keineswegs nur touristische Einrichtungen. Die palmerische Bevölkerung verweilt selbst sehr gern bei diesen „Miradores“, um ihr La Palma anzusehen und die Aussicht zu genießen.
Handgearbeitete Motivstickereien („Bordados“) und Durchbruchstickereien („Calados“) haben auf La Palma lange Tradition. Sie werden auch in jedem Souvenirshop angeboten mit vielfältigen Motiven und in jeder Form. In Las Breñas haben sich einige Zigarrendreher angesiedelt. Der wohl bekannteste La Palma Zigarren-Fan war der englische Premier Winston Churchill. Die Zigarren werden in kleinen Familienbetrieben in Handarbeit hergestellt. Sie werden zu einem sehr günstigen Preis verkauft und sollen angeblich von bester Qualität sein. Zigarre heißt auf spanisch „Puro“ und sie wird auch in Restaurants – wenn angefragt – in einer Holzkiste angeboten.
Althergebracht ist auch die schwarze Keramik, reich verziert mit uralten eingeritzten Motiven. In der schön gelegenen Töpferei „El Molino“ an der Hauptstraße in Hoyo de Mazo kann man den Töpfern zusehen.
Wer wie die Palmeros essen will, muss seinen Tagesrhythmus umstellen. Zum Frühstück gibt es in Eile eine Tasse Kaffee mit einem Toast oder einem süßen Teilchen. Zwischen 10 und 11 Uhr geht’s in eine Bar, in der man ein „bocadillo“ – ein üppig belegtes Brötchen – bestellt. Dann heißt es durchhalten bis 13 Uhr. Beim Mittagessen sind drei Gänge die Regel: angefangen mit Salat oder Suppe, gefolgt von Fisch oder Fleisch. Dazu ein frisches Bier vom Fass. Als Nachspeise gibt es Obst oder Kuchen und zum Abschluss den obligatorischen „café solo“ (Espresso). Alsdann zieht man sich zur wohlverdienten Siesta zurück. Nach der zweiten Arbeitsphase von 16 bis 20 Uhr trifft man sich zum üppigen und ausgiebigen Abendessen.
Die Palmeros sind freundliche und aufgeschlossene Menschen – es gibt nur wenige Ausnahmen, die oft durch Missverständnisse hervorgerufen werden. Wer einen Palmero nach dem Weg fragt, erhält prompt eine Antwort. Ein kurzes „hola“, ausgesprochen „ola“, was so viel heißt wie „hallo“, ist nahezu selbstverständlich – auch unter Fremden. Die Palmeros beurteilen ihr Gegenüber nach seinem Wesen und nicht nach seiner Abstammung. Verhält sich ein Fremder unverständlich oder arrogant gegenüber einem Einheimischen, muss er sich nicht wundern, eine ähnliche Resonanz zu erhalten. Auf La Palma erhält man immer eine ehrliche Antwort. Wie diese ausfällt, hängt von einem selbst ab.
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